Vier Jahreszeiten im Minutentakt
Aktualisiert: 23. Sept.
Meine magische Reise durchs Entlebuch

Auf dem Weg zum Bahnhof schien die Sonne und es war freundlich warm. Kaum unter dem schützenden Dach angekommen, begann es in Strömen zu regnen. Noch mal Glück gehabt, dachte ich, als ich in Richtung Perron ging, um meinen Zug in Richtung Abenteuer zu besteigen.
Als sich der Zug in Bewegung setzte, war von dem Platzregen nur noch der nasse Boden und die dunklen Wolken übrig geblieben. Je weiter wir dahintuckerten, umso heller wurden die Wolken und der Himmel begann sich wieder zu lichten. Die Landschaft leuchtete in satten Farben, und im Sonnenschein glänzten die nassen Wiesen und Wälder. Ein goldener Schimmer hatte sich über alles gelegt.
Tägertschi stand auf dem Schild des Bahnhofs, den wir gerade passierten. Wir waren im Frühling angekommen.
Weiter ging die Fahrt durch verzauberte Landschaften. Die Sonne wärmte inzwischen durch das Fenster meinen Sitz. Blumen blühten auf den Wiesen, ein Bächlein führte an den Gleisen entlang und plätscherte gemütlich vor sich hin.
Die Weiterfahrt brachte einen leuchtend blauen Himmel an das Zugfenster, und die Sonne sandte ein weiches Licht über die saftig grünen Felder. Die Farben schienen intensiv zu leuchten. Ein Sommertag könnte kaum schöner sein.
Doch das Wetter hatte andere Pläne: Auf einmal verdunkelte sich der Himmel wieder. Massige graue Wolken schoben sich vor die Sonne, Regen fiel in Strömen, und es blitzte und donnerte. Ein perfekter Herbsttag für Trubschachen.
Nach einem kurzen Halt setzten wir uns wieder in Bewegung, und je weiter wir fuhren, umso kälter wurde es. Der Regen verwandelte sich in Schnee, dicke Flocken fielen vom Himmel, als wir beim Kambly-Halt ankamen.
Ich stellte mir vor, wie die Schneeflocken Zuckerkristalle wären, die vom Himmel fielen und so die Guetzli von Kambly mit einem weissen Puder bedecken.
Schon setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Wir fuhren an verschneiten Feldern und Hügeln vorbei; der Schnee wurde dichter und lud ein, einen Schlitten zu holen, um die schneebedeckten Hügel herunterzuflitzen.
Der Zug schlängelte sich durch die winterlichen Täler. Vom Bach aus breitete sich dichter Dunst über die schneebedeckten Wiesen aus und schlich um die alten Holzhäuser. Dunkle Tannen reihten sich an den Hängen, während kahle Büsche, die sich aus den verschneiten Feldern streckten, den Lauf des Baches nachzeichneten.
Ein Graureiher stand einsam mitten im Feld. Spuren verschiedener Tiere zeichneten ihre vergangenen Wege in den Schnee. Die Sonnenstrahlen fielen über die Tannen ins Tal, liessen den Nebel funkeln und die Schneedecke glitzern wie tausende Diamanten.
Da änderte sich die Landschaft. Häuser, Strassen, Autos und Hektik waren zurückgekehrt. Der Zug hielt an meiner Station. Die Kirchturmuhr schlug die Mittagsstunde an. Der Alltag hatte mich wieder.

Kommentare