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Varena – nicht Verena

22. Sept.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Sept.

Varena – die rätoromanische Form von Verena.

Rätoromanisch – eine Sprache, die nur die wenigsten sprechen.


Nahaufnahme einer Buchseite aus einem Vornamenlexikon. Der Eintrag „Varena“ ist hervorgehoben und wird als rätoromanische Form von Verena erklärt.

Mein Leben ist in etwa wie mein Name.

Unauffällig eingereiht. Schüchtern versteckt. Etwas verrückt. Leicht neben der Norm. Man muss schon genau hinsehen, um die Andersartigkeit zu entdecken. Aber wer einmal bemerkt hat, dass er nicht ganz gängig ist, versucht sein Glück mit den wildesten Kombinationen.


So werde ich schnell zu Veronika, Vanessa, Vera oder auch mal zu Christina. Ja, den letzten verstehe ich auch nicht ganz.

Ich habe versucht, mich in diesen Namen zurechtzufinden. Es war mir nicht so wichtig, wie ich genannt wurde. Für mich blieb ich immer ich.


Genauso ist es mit meinem Sein. In Gesprächen wird mir von den verschiedensten Personen gesagt: „Wir sind uns ja so ähnlich.“ Nein, ich habe nicht mehrere Persönlichkeiten. Ich sehe nur keinen Sinn darin, mit jemandem, der über das Meer erzählt, über Berge zu sprechen. Verschiedene Menschen begegnen verschiedenen Seiten von mir. Für mich gehören sie alle zusammen. Erst in ihrer Gesamtheit ergeben sie ein Bild, das wirklich mich zeigt.


Auch mein Anderssein hat im Laufe der Jahre verschiedene Namen erhalten. Gerade in Therapiesituationen kamen meine Schilderungen meines Erlebens teilweise ganz anders an, als ich sie meinte.


Mein Erleben war manchmal wie mein Name: ausgesprochen klar und trotzdem anders verstanden. Mein System spricht eine Sprache, die nur die wenigsten verstehen.

Daraus entstanden Theorien und Diagnosen, in denen ich wiederum versuchte, mich zurechtzufinden.


Jahre später fand ich mit Autismus und ADHS Diagnosen, in denen sich vieles von meinem Erleben einordnen liess. Frühere Erklärungen rückten damit teilweise von einer Ursache zu den Folgeerscheinungen.


Und die Christina unter den Diagnosen?


Die darf ihre eigenen Wege gehen.


Denn egal, welchen Namen andere für mich finden: Für mich bleibe ich immer ich.

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