Peggy’s Vision
Aktualisiert: 22. Sept.
Oder wie das innere Rad zu drehen begann.
Zum 100-jährigen Jubiläum von Inner Wheel habe ich mich mit der Geschichte seiner Gründung beschäftigt. Entstanden ist eine Erzählung auf Grundlage historischer Ereignisse, ergänzt durch meine eigenen Gedanken und Interpretationen.

Vor hundert Jahren lebte in Wales, im Vereinigten Königreich, Margarette „Peggy“ Owen.
Als junge Frau lernte sie Oliver Golding kennen. Die beiden heirateten.
Peggy Golding war eine hervorragende Krankenschwester, der das Wohl ihrer Patienten am Herzen lag und die sich für Kinder aus sozial schwächeren Familien und Waisenkinder einsetzte. Sie war aber auch eine Geschäftsfrau und gründete zusammen mit ihrem Mann ein Unternehmen, das Arbeitskleidung für medizinische Zwecke herstellte. Als Direktorin leitete sie die Firma Nurses Outfitting Association Ltd. Eine Powerfrau in einer Zeit, in der Frauen noch nicht viel mitreden konnten.
Noch vor Peggys 33. Geburtstag brach ein fürchterlicher Krieg aus, der Europa durchschüttelte und ganze vier Jahre andauerte. Dieser Krieg brachte viel Leid. Die Krankenhäuser waren überfüllt mit Kriegsverletzten. Peggy, die als Krankenschwester arbeitete, bekam das Leid und den Schmerz hautnah mit. Sie sah, wie Kinder zu Waisen und wie Frauen zu Witwen wurden. Wie Männer verstümmelt und verändert aus dem Krieg zurückkehrten. Sie half, wo sie nur konnte.
Bereits wenige Jahre vor Beginn dieses abscheulichen Krieges entstanden die ersten Rotary Clubs in England. Das inspirierende Konzept von Rotary begeisterte, und die Clubs etablierten sich. Auch Oliver Golding, der Mann von Peggy, wurde Mitglied eines Rotary Clubs.
Um Peggys Geschichte zu erzählen, braucht es einen Blick auf Rotary und darauf, was der Rotary Club genau ist:
Als Peggy 23 Jahre alt war, wurde am 23. Februar 1905 in Amerika, genauer gesagt in Chicago, von einem Rechtsanwalt namens Paul Harris und drei seiner Freunde ein Club gegründet. Paul wollte damit in der Großstadt eine ähnlich stabile und vielseitige Wertegemeinschaft schaffen, wie er sie als Kind auf dem Land erlebt hatte. Eine Gemeinschaft, in der jeder entsprechend seinen Fähigkeiten andere nach Möglichkeit unterstützte. Der noch heute befolgte Grundsatz einer „Gemeinschaft von Berufsleuten“ galt von Anfang an.
Bereits kurze Zeit später entstanden weitere Rotary Clubs, zunächst in den USA und bald auch darüber hinaus. 1911 entstand auch in Manchester, England, ein Rotary Club, der 1913 offiziell seine Charter erhielt. Nach und nach entstanden Rotary Clubs auf der ganzen Welt.
Auch wenn sich die verschiedenen Gemeinschaften nun, über 100 Jahre später, nicht mehr ganz einig sind, wer zuerst gegründet wurde und welcher Club nun der erste in Europa war, so kann man doch festhalten, dass für die damalige Zeit die Vernetzung grandios funktionierte und mit den Clubs ein unglaubliches Netzwerk geschaffen wurde, durch das die Welt etwas näher zusammenrückte.
Der Name Rotary (englisch für „rotierend, drehend“) erwuchs ursprünglich aus dem wechselnden Treffpunkt der Mitglieder; heute entspricht ihm der Brauch, die meisten Ämter im Club normalerweise jährlich neu zu besetzen.
Rotary gab es bald auf der ganzen Welt, verteilt auf verschiedene Städte. In jedem Club trafen sich Männer mit verschiedenen Berufen. Es war lange bevor es das Internet gab. Die Clubs waren ein riesiges Netzwerk, das Männer aller Berufsgattungen miteinander verband.
Doch zurück zu Peggy.
Der Erste Weltkrieg war vorbei, und die Frauen halfen, wo sie nur konnten, das entstandene Elend zu lindern, Gebäude wieder aufzubauen und dort zu unterstützen, wo Hilfe gebraucht wurde.
Peggy half, wie es auch andere Ehefrauen der Clubmitglieder taten, im Hintergrund mit, den Club zu unterstützen. Dazu trafen sich die Frauen und organisierten Hilfsprojekte. Sie taten viel Gutes. Die vom Krieg durchgerüttelte Welt fand durch diese soziale Verbundenheit langsam wieder Halt. Während ihre Männer im Krieg gebraucht wurden, führten viele Frauen zu Hause das soziale Engagement fort.
Irgendwann fiel Peggy auf, dass die Frauen der Rotarier inzwischen beinahe besser vernetzt waren als ihre Männer. Während die Männer sich vor allem auf ihre Geschäfte konzentrierten, hatten die Frauen sich über alle Lebensthemen ausgetauscht.
Peggy begann, ein offizielles Treffen der Frauen, die bisher vor allem als Unterstützerinnen der Vereinigung ihrer Männer fungierten, zu organisieren. An einem Novembertag, nur wenige Tage vor Peggys 42. Geburtstag, trafen sich 27 Frauen im Herriott’s Turkish Baths in Manchester, einer Badeanstalt. Der sogenannte „Cooling Room“, ein Abkühl- und Ruheraum der Badeanstalt, war der einzige Raum, den Peggy kostenlos benutzen konnte. Dort nahm die Idee einer unabhängigen Frauenorganisation nach rotarischem Vorbild konkrete Formen an. Die Frauen bildeten ein provisorisches Komitee. Die Ziele des Clubs sollten zweierlei sein: die Pflege der Freundschaft und, viel mehr noch, zu dienen.
Wenige Wochen später, am 10. Januar 1924, trafen sich die Frauen erneut. Nun wurde aus der Idee Wirklichkeit: Der Inner Wheel Club of Manchester wurde offiziell gegründet und Peggy seine erste Präsidentin.
Sie gab ihrem neu gegründeten Club den Namen Inner Wheel. In Bezug auf das Rad von Rotary waren die Frauen ab sofort das innere Rad, das Rotary unterstützte und vielleicht versteckt auch ein wenig antrieb.
Frauen der Rotarier aus anderen Clubs hatten sich ebenfalls zusammengetan und in ihren Städten eigene Vereinigungen gegründet. Nach und nach schlossen sich diese Frauenclubs zusammen und bauten gemeinsam unter dem Namen Inner Wheel ihr Netzwerk aus.
Beinahe schneller als das Internet breiteten sich die Inner-Wheel-Clubs auf der ganzen Welt aus. In den Rotary Clubs sprach es sich herum, dass sich die Frauen aus England organisiert hatten, um Gutes zu tun und zu versuchen, das Leid ihrer Mitmenschen etwas zu lindern.
Nun, 100 Jahre später, sind ihr Vermächtnis und der Gedanke der Freundschaft und des Zusammenhalts sowie die Unterstützung sozialer Projekte der Kern der Inner-Wheel-Organisation, die sich über die ganze Welt erstreckt.
Das innere Rad, das Peggy vor 100 Jahren in Bewegung setzte, dreht sich bis heute weiter.


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